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Der Winter brachte mir eine Menge Schreibzeit und so standen und stehen im Frühling mehrere Buchveröffentlichungen an.

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Ein Rätsel namens Liebe

Einfach Liebe - Band 3
    erscheint am 9. Juni 2022

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Leseprobe

Elf Jahre, drei Monate und zwanzig Tage!

Michaels große Liebe Ulla verschwand in der Nacht vor genau elf Jahren, drei Monaten und zwanzig Tagen spurlos. Damals war sie erst neunzehn Jahre alt.

Von einem Privatdetektiv erfährt Michael, dass sie unter falschem Namen in einem psychiatrischen Sanatorium auf Sylt lebt und sich scheinbar an nichts mehr erinnert. Er ergreift die Chance und bricht auf, um seine Ulla wiederzusehen. Auch nach all diesen Jahren hat er nie aufgehört, sie zu lieben. Ihr Verschwinden hat eine Leere in ihm hinterlassen, die keine andere Frau zu füllen vermochte.

Eben erst angekommen, entdeckt er am Strand eine Frau. Michael traut seinen Augen kaum! Dort steht seine geliebte Ulla, als wäre nie etwas geschehen. Voller Freude geht er zu ihr, doch als er sie anspricht, erkennt sie ihn nicht.
Noch rätselhafter ist, dass es so scheint, als wüsste Ullas Bruder Oliver seit Jahren über ihren Zustand Bescheid. Michael versteht die Welt nicht mehr. Warum hat Oliver nie etwas gesagt? Michael beschließt, zu handeln. Er muss herausfinden, was in jener Nacht, in der Ulla verschwand, geschehen und wie sie in dem Sanatorium gelandet ist. Niemals wird er aufgeben. Nicht, bevor er die Wahrheit kennt!

Ein Rätsel namens Liebe ist der dritte Teil der Einfach-Liebe-Reihe. Alle Bände sind in sich abgeschlossen und durch wiederkehrende Figuren miteinander verbunden. Sie können unabhängig voneinander gelesen werden.

Der Roman ist eine Neuauflage und erschien ursprünglich unter dem Titel Zwei Seelen für immer.

1. Gefunden 

Aus dieser Entfernung konnte er die beiden Frauen lediglich als Silhouetten am Strand wahrnehmen. Michael hatte nur Augen für die vordere. Ein Hochgefühl durchströmte ihn.
Sie musste es sein. 
Elf Jahre und einhundertzwölf Tage.
Oder elf Jahre, drei Monate und zwanzig Tage waren vergangen, dennoch war es wie gestern.
Ulla. Sie war neunzehn Jahre alt gewesen, überschäumend fröhlich, immer in Bewegung und verliebt. In ihn.
Beim Näherkommen erkannte er, dass eine der Frauen einen Eimer trug. Sie suchte den Boden ab, oft bückte sie sich und hob etwas auf. Die zweite Person hinter ihr entpuppte sich als ein junges Mädchen. Das interessierte sich weniger für Muscheln und Steine als vielmehr für ihr Handy, in das sie tippte und starrte. Dermaßen beschäftigt lief sie der Frau hinterher. Deren helles, langes Haar wehte im Wind. Ungeduldig strich sie eine Strähne mit dem Ellbogen zurück.
Sie war es.
Michael blinzelte gegen die Abendsonne. In einem seiner besten Ermenegildo Zegna-Anzügen mit sündhaft teuren, englischen Lederschuhen war er für den Strand komplett falsch gekleidet. Aber er hatte es nach dem Meeting in Hamburg extrem eilig gehabt, hierherzukommen. Zwei seiner Brüder waren zu Hochzeitsreisen aufgebrochen, daher war der Zeitpunkt seines Urlaubs unpassend gewählt. Doch seine beiden anderen Brüder hatten ihn ziehen lassen. Sie wussten, es war unmöglich, Michael zurückzuhalten. Dennoch hatten sowohl Konstantin als auch Reggie einen Erfolg der Aktion ›Michael sucht auf Sylt‹ bezweifelt.
Von Andreas, seinem Privatdetektiv, hatte Michael bereits Ende August die Information erhalten, dass Ulla hier unter falschem Namen lebte. Am liebsten wäre er sofort aufgebrochen, aber zuerst wurde der achtundsechzigste Geburtstag seiner Mutter am 3. September gefeiert, und genau eine Woche später fand die Hochzeit seines Bruders Jos mit Dani statt.
Er hatte elf Jahre, drei Monate und zwanzig Tage gewartet. Was waren da schon zwei Wochen mehr?
Er rätselte, warum Ullas Bruder Oliver ihm nichts erzählt hatte. Offenbar wohnte Ulla bereits seit viereinhalb Jahren in diesem Heim. Ein wunderschönes Haus, vom Strand aus nicht zu sehen, aber direkt hinter den Dünen. Es bot eigene Fitnessräume, ein Schwimmbad und einen Reitstall. Dennoch blieb es das, was es war: eine psychiatrische Pflegeanstalt für chronisch Kranke. 
Michael fröstelte plötzlich, obwohl die Temperaturen für Herbst ungewöhnlich warm waren. Zahlreiche Surfer waren unterwegs, Jogger liefen am Meer entlang und ein paar Jugendliche spielten Volleyball. Zuerst hatte Michael gehofft, dass Ulla hier angestellt sei. Laut Andreas war sie jedoch Patientin. Weshalb? Was war mit ihr geschehen?
Michael hatte sich auf seine Intuition verlassen und war einfach hergeflogen. Er war weder mit Ulla verheiratet gewesen noch verlobt. Vermutlich war das der Grund, warum ihm die Polizei nicht mitgeteilt hatte, dass Ulla wiederaufgetaucht war. Oliver hingegen hatte ihm versprochen, sich zu melden, sobald er etwas von seiner Schwester erführe. Vor drei Jahren war er zur Beerdigung von Ullas Mutter gegangen. Oliver hatte den Eindruck erweckt, dass er sich freute, ihn zu sehen. Weswegen hatte er Ulla nicht erwähnt?
War es überhaupt Ulla?
Michael bezweifelte keine Sekunde, dass die junge Frau seine ehemalige Freundin war. In seinem Herzen, im tiefsten Inneren, hatte er nie an ihren Tod glauben können. Die Flamme in ihm war niemals erloschen. Keine Frau hatte den Platz füllen können, den sie hinterlassen hatte.
Zügig ging er auf die zarte Gestalt zu. Er selbst brauchte keinen Beweis. Die anderen waren es, die es zu überzeugen galt. Mit jedem Schritt wuchs seine Sicherheit, sein Herz pochte dermaßen gegen seine Rippen, dass er schon glaubte, sie müssten splittern. 
Am liebsten hätte er ihr zugerufen, wäre gerannt und hätte sie in seine Arme gerissen.
Aber das durfte er auf keinen Fall. Nicht bevor er wusste, was mit ihr passiert war und warum sie sich hier unter falschem Namen versteckt hielt.
Nur noch wenige Meter trennten ihn von der Frau. Ihr hellblondes Haar leuchtete in der Sonne. Michael war es, als spürte er die seidige Beschaffenheit auf den Fingerspitzen. Die zart gebaute Frau betrachtete gerade ihre Ausbeute im Eimer und schob mit den Fingern ein paar Muscheln nach. Dann war er angekommen, direkt vor ihr.
Sein Blick fiel sofort auf ihren nackten linken Unterarm und ein Schluchzen entfuhr sich seiner Kehle. 
Der Beweis: Sie war es!
»Ulla!« Er brachte ihren Namen kaum hervor. Er wollte gleichzeitig lachen und weinen. Sie sah ihn an und einen winzigen, schrecklichen Augenblick dachte er, sie wäre blind. Ihre wasserblauen Augen blickten durch ihn hindurch. Unzweifelhaft war sie älter geworden, fraulicher.
»Ulla!« Michael klang eindringlicher. »Kennst du mich nicht mehr? Ich bin es, Michael!«
Sie schien aus weiter Ferne zurückzukommen. Doch plötzlich entstellte nackte Panik ihre bildhübschen Gesichtszüge. Mit einem schrillen Aufschrei ließ sie den Eimer fallen und rannte die Dünen hinauf. Michael starrte ihr entsetzt nach.
»Wer sind Sie?«, mischte sich nun die Begleitperson ein. »Es muss eine Verwechslung sein. Sie heißt nicht Ulla.«
Natürlich! Sie lebte hier unter anderem Namen.
Noch ein Rätsel. 
Michael löste widerwillig den Blick von der davoneilenden Frau und wandte sich dem Mädchen zu. »Wie wird sie genannt? Und warum läuft sie davon?«
»Es tut mir leid, aber ich darf darüber keine Auskunft geben. Ich muss ihr nach.« Damit ließ sie ihn stehen und eilte ebenfalls durch den Sand.
Ulla hatte ihn nicht erkannt.
Was war mit ihr geschehen? Was war soeben passiert?
Er zog sein Handy aus der Tasche. Konstantin, sein Bruder, meldete sich sofort.
»Sie ist es. Ich habe ihre Narbe am Unterarm gesehen. Als Dreijährige ist sie mit dem Kinderrad gestürzt und sie musste genäht werden. Die Wunde war charakteristisch gezackt und hatte eine typische, spitz zulaufende Form.«
»Wahnsinn.« Sekundenlang blieb es still. Die Nachricht hatte Konstantin buchstäblich sprachlos gemacht.
»Was hast du nun vor?«
»Ich muss wissen, was passiert ist. Sie weiß offenbar nicht, wer ich bin, Konstantin. Sie ist davongerannt! Das gibt es nicht. Klar, ich sehe älter aus, aber ...«
»Du hast keine Ahnung, was mit ihr geschehen ist. Michael, sie lebt in einer psychiatrischen Anstalt, das wusstest du doch vorher. Das heißt, sie hat ein Problem. Und möglicherweise ist es sogar unheilbar.«
»Denkst du, ich habe sie so lange gesucht, um jetzt aufzugeben?«
»Willst du ihr Leben auf den Kopf stellen?«
»Wenn ich zur Auffassung komme, dass sie glücklich ist, lasse ich sie in Ruhe.«
Gelogen. Verschwinden war für Michael keine Option. Nicht bevor er Antworten hatte.
Irgendwie hatte er das Gefühl, in ein Wespennest gestochen zu haben. Die Tatsache, dass Oliver ihm nichts gesagt hatte, war unfassbar. 
Er sank in den feuchten Sand und kümmerte sich nicht darum, dass seine Anzughose nass wurde. Auch die handgearbeiteten Schuhe konnte er in den Abfall werfen. Es war ihm egal. Materielle Dinge, sie waren alle ersetzbar. Wenn er eines in den vergangenen Jahren gelernt hatte, dann dies: Nichts, das man kaufen konnte, besaß einen wirklichen Wert.
Die Dämmerung legte sich wie ein Schatten über die Landschaft.
Michael blieb sitzen. 
Ulla. Er wusste nun, wo sie war. Es hatte keine Eile. Sie erkannte ihn nicht, aber das musste nicht so bleiben. Er brauchte nur Geduld. Doch das war kaum ein Problem. Jetzt, da er sie aufgespürt hatte, spielte Zeit keine Rolle mehr.
Er schloss die Augen und sah sie vor sich: Ein selbstbewusstes Mädchen, das Bäume ausreißen konnte. Sie war nie dick gewesen, hatte eine sportlich schlanke Figur gehabt. Obwohl sie nun durchaus frauliche Formen aufwies, erschien sie ihm durchscheinend dünn.
Was war mit ihr passiert? So viele Fragen und nicht eine Antwort. Dennoch spürte er Frieden in sich. Er hatte recht gehabt, nie aufgegeben. Nicht einmal ihre Eltern hatten an ihr Überleben geglaubt. Aber er hätte ihren Tod gespürt, das wusste er tief in sich.
Über elf Jahre hatte er in einer Blase gelebt. Eine Lethargie, die er nun abschüttelte wie einen Mantel, der zu schwer geworden war.
Zunächst brauchte er einen Plan. Bestimmt durfte er nicht ohne Weiteres zu Ulla. Sie war vor ihm davongerannt. War das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?
Michael war immer schon ein gewiefter Verhandlungsstratege gewesen. Nicht umsonst war er der Sales Director in dem Familienunternehmen ›Heim-Backwaren‹. Unzählige Geschäfte hatte er in den vergangenen Jahren im Auftrag der Firma abgewickelt. Schon sein Vater hatte sein Talent erkannt und ihn zielführend eingesetzt. 
Im Grunde genommen hatten die zahlreichen Geschäftsreisen ihm geholfen, über die Leere in seinem Privatleben hinwegzukommen. Sicherlich hatte es manchmal eine Frau in seinem Leben gegeben. Aber seine Affären waren kurz und die jeweiligen Damen ebenso wenig an einer echten Beziehung interessiert gewesen wie er.
Sein Herz hatte er vor langer Zeit verschenkt. In seiner Brust verblieben war lediglich ein schlagender Stein, den keine Frau jemals wieder zum Schmelzen gebracht hatte.
Michael hatte sich nie mehr richtig lebendig gefühlt.
Bis heute.2. Die Nebelwand

Simone hatte schon lange nicht mehr diese Angst verspürt. Wer war der Fremde gewesen? Warum hatte seine Stimme ein Kribbeln im gesamten Körper verursacht? Einen Blitz, mitten durch den Kopf? Sollten die Erinnerungen doch zurückkommen? Nach so vielen Jahren?
Sie fühlte sich beschützt im hellen Gebäude der ›Prinzhorn-Klinik‹ am Rande von Keitum auf Sylt. Man behandelte sie nett, freundlich und höflich. Aber etwas fehlte.
Herzlichkeit. 
Sie hatte seit über einem Jahr keine Einzeltherapiesitzung mehr gehabt. Mit Entsetzen erinnerte sie sich an die zahlreichen Panikattacken, die sie während und nach diesen Behandlungen überfallen hatten. Stundenlang war sie das Gefühl der Bedrohung nicht losgeworden. Und diese furchtbare Atemnot, die in Erstickungsanfällen geendet hatte. In ihrer Einbildung lag sie in einem engen, dunklen Raum, jeglicher Bewegungsfreiheit beraubt.
Und dann die kreischenden Schreie! Man hatte ihr versichert, dass sie aus ihrer eigenen Kehle kamen und tatsächlich war ihr Hals nach dem Erwachen stets wund.