Aktuelles

 

Lovely Christmas

Du brauchst Urlaub? Auszeit aus der Hektik Deines Alltags?

Dann reise mit uns ins DREAM ALPIN - dem Luxusresort umrahmt von weiß glitzernden Berggipfeln.

Ein exklusives Hotel samt romantischen Chalets erwartet Dich.

In diesem verträumten Ambiente finden manche ihr Glück, obwohl sie es gar nicht gesucht haben. Auch Du wirst den Aufenthalt in unseren Büchern genießen.

Verbringe mit uns Deinen Traumurlaub als Abenteuer im Kopf!

Dein Team Sandra Pulletz, Lotte R. Wöss, Danielle A. Patricks und Lisa Diletta verwöhnt Dich mit Geschichten, die Dein Herz erwärmen und Deine Seele nähren!

4 Autorinnen - 4 Bücher - 4mal Liebe

 Dolce Vita im Schnee (Lisa Diletta)

Zwei Sterne im Schnee (Lotte R. Wöss)

 Zarte Klänge im Schnee (Sandra Pulletz)

Herzflattern im Schnee (Danielle A. Patricks)

Fast ein Jahr lang haben wir vier Autorinnen gemeinsam gearbeitet - gerade im Lockdown der Coronazeit schafften wir ein tolles Gemeinschaftsprojekt.

Lovely Christmas - das steht für Liebe und Romantik mit einem Hauch von Weihnachten - aber auch für Dramatik, Spannung, Herzschmerz und unerwartete Wendungen. DENN im Leben kommt es immer anders als man denkt.

Leseprobe aus

"Zwei Sterne im Schnee" (Kapitel 2)

Spießrutenlaufen 

Charly hielt den Kopf gesenkt. Ihre Beine waren schwer wie Blei. Der Kloß in ihrem Magen wuchs, je näher sie der Physiotherapie-Abteilung kam. Während der letzten Monate war ihre Arbeit kein Honiglecken gewesen, ihre Chefin hatte ihr die unangenehmsten Patienten zugeschanzt. Das hätte ihr nichts ausgemacht, denn sie war unkompliziert und fand fast zu jedem Zugang. Menschen nach Unfällen, deren Bewegungsfähigkeit eingeschränkt war, hatten nun mal selten gute Laune. Mehr zu kämpfen hatte sie damit, dass sich seit dem Tag, als Adrian mit ihr Schluss gemacht hatte, auch sämtliche Kolleginnen von ihr abgewandt hatten. Lea Gruber ausgenommen. Aber ihre rothaarige Freundin, die bereits am Morgen gute Laune verbreitete, hatte vor einer Woche ein Baby bekommen und arbeitete nicht mehr in der Klinik.
Charly betrat den Aufenthaltsraum, ihr erster Weg führte zu ihrem Spind, um sich umzuziehen. Zwei ihrer Kolleginnen tranken Kaffee, sie erwiderten ihren Morgengruß nicht und begannen gleich zu tuscheln.
Die Schnur um ihren Hals zog sich enger. An diesem Tag traf sie das Mobbing besonders, denn es war der erste Arbeitstag nach Omas Beerdigung. Ihre geliebte Omi war endgültig weg, auch wenn ihr Geist schon länger nicht mehr bei ihr gewesen war. Es tat trotzdem so unendlich weh. 
»Du hast um vierzehn Uhr einen Termin bei Oberarzt Leander.« Ilona, ihre Chefin, flocht ihren Zopf neu, überhaupt beschäftigte sie sich immer und überall mit ihren blondgefärbten Haaren.
Charly sollte zum obersten Boss? Der hatte sie doch meist ignoriert, solange sie mit Adrian zusammen gewesen war. 
Adrian. Auch das schmerzte immer noch, obwohl es eigentlich nach einem knappen halben Jahr milder sein müsste. Ihn zusammen mit seiner neuen Flamme zu sehen, Doktor Claudia Schöffmann, der Tochter des Chefarztes, verursachte ihr Magendrücken. Sie sah die beiden täglich, da sie im selben Krankenhaus arbeiteten. Von Anfang an hatte die junge Ärztin ihr Interesse an Adrian dermaßen offen gezeigt, dass es niemandem hatte entgehen können. Wie schnell Adrian schwach geworden war. Keine vier Wochen hatte es gedauert, bis er Charly klargemacht hatte, seine ›Gefühle wären verschwunden‹. Einfach so. Claudia hatte bereits Umzugskisten in Adrians Wohnung deponiert, bevor Charly ihre Sachen hatte packen können. Beim Essen in der Kantine tuschelten die Frischverliebten, dass ihr jeder Bissen im Hals stecken blieb. Die Teambesprechungen verliefen nie, ohne dass Claudia spitze Bemerkungen in ihre Richtung fallen ließ, das kam einer Folter gleich.
Was konnte Doktor Wolfgang Leander von ihr wollen? In ihr vibrierte etwas. Oberarzt Leander war seit einem Jahr der Interims-Chef des Krankenhauses. Professor Schöffmann ließ sich nach einem schweren Herzinfarkt nur mehr selten in seiner Klinik blicken. Alle gingen davon aus, dass Oberarzt Leander bald die echte Leitung übernehmen wollte, es fehlte nur noch seine Ernennung zum Professor.
Sie und Leander waren von Anfang an nie gut ausgekommen. Er mochte sie nicht und machte keinen Hehl daraus.
»Ich hoffe, du brauchst nicht zu lange, wir haben jede Menge Arbeit!« Ilona riss sie aus ihren Gedanken. »Du warst schließlich zwei Tage nicht da.«
Hallo? Sie hatte ihre Oma beerdigt! Da wäre ein bisschen Mitgefühl nicht verkehrt.
Der Kloß im Hals wuchs zum Golfball und die Schnur rundum zog sich zu. Sie schluckte mehrmals, atmete durch und ballte die Fäuste.
Nicht provozieren lassen.
Charly griff nach dem Arbeitsplan für heute. Natürlich wieder ausgefüllt, sie würde kaum eine freie Minute haben. Seit Adrian ihr einen Fußtritt der derbsten Art verpasst hatte, war das Klima rund um sie immer schlechter geworden. Sie wusste natürlich, dass Adrians neue Flamme seine Ex aus der Klinik ekeln wollte. Die Exfreundin unter demselben Dach, das ging nicht.
Charly hätte lieber heute als morgen gekündigt. Aber wo fand sie einen Job, der so gut bezahlt war wie hier? Allerdings musste sie künftig nicht mehr die Pflegekosten für ihre Oma mittragen, nur die Bestattung hatte zusätzlich ein tiefes Loch in ihre Ersparnisse gerissen. Ihre Oma sollte eine würdige Beerdigung erhalten und nicht einfach so verscharrt werden. 
Vor der Tür musste die junge Physiotherapeutin ein paar Minuten warten. Nichts anderes hatte Charly erwartet. Oberarzt Leander war eine vielbeschäftigte Kapazität. Als Unfallchirurg und Orthopäde unschlagbar, als Mensch ein Ekel. Zumindest ihr gegenüber. Sie sah auf die Uhr. Vermutlich musste sie heute wieder Überstunden machen. 
Endlich wurde sie ins Allerheiligste gebeten. Eigentlich war es nur ein einfacher Büroraum mit hellen Möbeln. Der Oberarzt kam um den Schreibtisch herum, strich kurz über seinen gepflegten Vollbart und baute sich vor ihr auf.
»Frau Wagner, danke, dass Sie kommen konnten. Bitte, setzen Sie sich.« Die Worte waren freundlich, im Gegensatz zu seiner gefrosteten Stimme. Mit einer schroffen Handbewegung wies er auf die Polstergarnitur im Eck. Hoffentlich machte er es kurz, dachte sie.
Kündigung. 
»Sie waren die letzten beiden Tage abwesend.« Womöglich sank sein Tonfall noch mehr ab. In Minusgrade. 
»Darf ich nicht mal frei haben?« Es ging ihn überhaupt nichts an, dass ihre Großmutter gestorben war. Von ihm war ohnehin kein Mitleid zu erwarten. In seiner Miene herrschte der üblicherweise missbilligende Blick, den er stets für sie reserviert zu haben schien. Zu ihren Kolleginnen war er wesentlich netter.
»Ich habe mich bloß gewundert, weil es mitten unter der Woche ist und Ihre Patienten von anderen übernommen werden mussten.«
Sie setzte sich und verflocht ihre Finger. Hoffentlich kam er endlich zur Sache.
Das tat er nicht. Mit Schwung ließ er sich ihr gegenüber nieder und sah sie mit gerunzelter Stirn an.
»Waren Sie krank? Frau Röck erwähnte nichts dergleichen.«
Sie atmete durch.
»Meine Großmutter ist gestorben.« Charlys Stimme kratzte.
Seine Augen weiteten sich. Er hatte es anscheinend nicht gewusst.
»Mein herzliches Beileid.« Es klang überraschend aufrichtig.
Nur nicht weinen, weil er einmal nett zu ihr war. Aber er war tatsächlich der Allererste hier im Krankenhaus, der kondolierte.
Im Prinzip war Wolfgang Leander ein attraktiver Mann, großgewachsen, dunkelblonde Haare und angenehme Gesichtszüge, soweit man das trotz Bart erkennen konnte. Und er war ein ausgezeichneter Arzt.
»Frau Wagner, ich habe Sie heute hierhergebeten, weil ich denke, dass Sie sich bei uns nicht mehr wohlfühlen.«
Die Untertreibung des Jahrhunderts! Natürlich wusste sie, worauf es hinauslief. 
Warum also nicht gleich abkürzen? Sie erhob sich. »Ich habe keine Ahnung, weswegen Sie selbst mit mir reden. Warum überlassen Sie nicht einfach dem Personalbüro meine Kündigung?«
»Setzen Sie sich hin.« Er klang nun dermaßen scharf, dass sie sich erschrocken zurückfallen ließ.
»Ihre Kolleginnen mobben Sie und bürden Ihnen die meiste Arbeit auf.«
»Woher wissen Sie das?«
»Ich wäre ein schlechter Chef, wenn mir solche Details entgingen, nicht wahr? Ich bin beeindruckt, welche Fortschritte Frau Mühlenbeck gemacht hat.«
Er hatte das bemerkt? Frau Mühlenbeck war nach einem schweren Autounfall nur knapp der Querschnittslähmung entkommen.
»Jetzt machen Sie mal den Mund wieder zu. Sie konnten die Patientin motivieren und das war Gold wert.« Er sah ihr in die Augen. »Es tut mir leid, wie alles gekommen ist.«
Galle stieg in ihr hoch. Was hatte sie schon zu verlieren?
»Das glaube ich Ihnen nicht«, entfuhr es ihr mit kippender Stimme. »Sie konnten mich noch nie leiden. Es muss Sie richtig freuen, wie das alles für mich den Bach runtergeht.«
Der Arzt fuhr sich durch die Haare. »Tatsächlich finde ich Schadenfreude als reine Energieverschwendung. Und ja, ich denke, dass Sie und Doktor Remscheidt nicht wirklich zusammengepasst haben.«
Die Rührseligkeit verschwand in ihr und machte Wut Platz.
»Das habe ich sehr wohl registriert, ein paar Gehirnzellen funktionieren noch.« Was zum Teufel wollte er von ihr? Die letzten Tage hatte sie stark sein müssen, hatte funktioniert und das Begräbnis organisiert. Aber nun spürte Charly, dass sie am Ende ihrer Kräfte war. Bitte nicht weinen, nicht vor ihm, daher senkte sie den Kopf. Plötzlich war da ein Papiertaschentuch in ihrer Hand.
»Es ist alles gut, Charlotte. Sie waren lange genug stark, lassen Sie es raus.« Seine Stimme klang überraschend mild.
Da flossen die verfluchten Tränen und gefühlte Ewigkeiten sah sie nichts mehr. 
Schließlich wurde der Raum um sie wieder präsent.
Was hatte sie getan? Dem Chef eine Heul-Arie geboten? Sie putzte sich die Nase.
»Es tut mir leid.« Scham überschwemmte sie.

Er hatte recht. Ein paar Schlucke, danach fühlte sie sich wohler.
»So, jetzt setzen wir uns wieder hin.«
»Herr Oberarzt, ich weiß schon, worauf das hinausläuft. Sie möchten, dass ich kündige.« Besser sie beendete das hier rasch, sie musste einen entsetzlichen Anblick bieten. Verheult, mit roten Augen und fleckigen Wangen.
»Wäre das so schlimm? Seien Sie ehrlich, was hält Sie hier noch? Sie sehen tagtäglich Ihren Ex mit seiner Neuen herumturteln, Ihre Kolleginnen mobben Sie und Sie werden mit Arbeit eingedeckt, dass Sie kaum zum Schnaufen kommen. Warum haben Sie nicht schon längst aufgegeben? Hoffen Sie, dass Adrian zu Ihnen zurückkommt? Er ist jetzt mit der Tochter des Chefarztes zusammen, da wird er nicht zu einer kleinen Physiotherapeutin zurückkehren.«
Er war einfach ein Fiesling. Was hatte sie erwartet? Charly wollte sich erheben, doch er griff nach ihrer Schulter und drückte sie zurück.
»Hören Sie mir bitte zu.«
Sie atmete durch. Offenbar nahmen die Demütigungen kein Ende.
»Sie brauchen Tapetenwechsel. Und ich brauche Sie.«
Jetzt horchte sie auf.
»Wie bitte?« Er wollte ihr doch kein unzüchtiges Angebot machen? 
Er stand auf und trat ans Fenster, mit dem Rücken zu ihr sprach er weiter.
»Was ich Ihnen nun erzählen werde, muss vertraulich bleiben, auch wenn Sie mein Angebot nicht annehmen sollten.«
Was konnte er von ihr wollen? Eine Gänsehaut überzog sie.
»Frau Wagner, können Sie das, was ich Ihnen jetzt erzähle, für sich behalten oder nicht?«
»N… natürlich.«
»Gut. Es geht um meinen Bruder Marc.«
»Marc Leander? Den Skirennläufer?« In allen Medien war von dem furchtbaren Unfall im letzten Jahr berichtet worden, der dem Ski-Ass Marc Leander seine Karriere gekostet hatte.  Er hatte schwere Verletzungen davongetragen. Den Weltcup hatte er bereits vorher gewonnen. Die begehrte Trophäe überreichte man ihm damals im Krankenhaus. Auf dem Foto posierte seine strahlende Verlobte, das Modepüppchen Madeleine Leitner. 
»Ebendiesen.«
»Ich hatte keine Ahnung, dass er Ihr Bruder ist.«
Der Oberarzt verzog die Mundwinkel. »Warum auch? Er hat es vorgezogen, sich in der Schweiz behandeln zu lassen, statt in unserer Klinik.«
»Und wie geht es ihm jetzt?«
»Das weiß ich leider nicht genau.« Sein Lächeln fiel ein wenig schief aus. »Unser Verhältnis ist nicht das Beste. Laut unseren Eltern hat er die Therapien abgebrochen. Als ich ihn anrief, teilte er mir mit, er hätte sich eine Hütte in den Bergen gemietet, wo er ein paar Wochen bleiben möchte. Marc will allein weitermachen, eine Schnapsidee, wenn Sie mich fragen.« 
In Charlys Kopf wirbelten die Gedanken. Was hatte sie jetzt damit zu tun?
»Frau Wagner, Sie sind Physiotherapeutin. Eine der besten, die wir hier haben.«
Hallo? Das wusste sie ja gar nicht. Dennoch. Wer würde bei diesem Kompliment nicht dahinschmelzen? Nachdem ihre Arbeit seit einem halben Jahr so gar nicht mehr gewürdigt worden war, flossen die wenigen Worte wie Honig ihre Kehle hinab. Leander hatte sie noch nie gelobt.
»Ich konnte meinen Bruder überzeugen, dass er ohne eine Therapeutin nicht weiterkommt. Er darf seine Therapie nicht abbrechen. Wenn er schon glaubt, in die Berge ziehen zu müssen, dann benötigt er Unterstützung.«
»Was sagen die Ärzte? Wird er wieder Skifahren können?«
Oberarzt Leander schüttelte den Kopf. »An Rennen ist nicht mehr zu denken und das trifft ihn schwer. Er war so gut in Form im letzten Jahr.«
»Ich weiß nur, dass beide Beine gebrochen waren. Es stand schon lange nichts mehr in den Medien über seine Rekonvaleszenz. Seine Verlobte erwähnt ihn nie in ihrem Blog.«
Ihre Freundin Lea war ein großer Fan von Marc Leander, hatte den Blog verfolgt und ihr ab und zu etwas gezeigt.
»Mittlerweile ist sie seine Ex-Verlobte.«
Davon hatte Charly nichts gewusst. Nicht dass sie das Privatleben irgendwelcher Skifahrer interessiert hätte, doch Marc Leander war schon eine Legende für sich. Charly erinnerte sich an seine zahlreichen Siege. 
Und auch als Mann war er der Hammer. Allerdings unerreichbar, wie Ryan Gosling oder Channing Tatum. 
»Marc empfängt schon lange keine Medien mehr.« Ein Seufzen. »Momentan lässt er sich hängen. Er hatte eine Tibiakopf-Impressionsfraktur rechts und einen relativ einfachen doppelten Knöchelbruch links. Während das linke Bein gut verheilte, gab es rechts eine Komplikation nach der anderen. Der Trümmerbruch erforderte mehrere Operationen, zusätzlich waren sämtliche Bänder ab. Nach den zahlreichen Wundheilungsstörungen kam auch noch eine Infektion dazu, die sich als hartnäckig resistent gegen die gängigen Antibiotika gezeigt hat. Tatsache ist, dass Marc Schmerzen hat und beim Gehen auf Krücken angewiesen ist.«
»Nach der langen Zeit?«
Der Arzt saß ihr nun gegenüber und spielte nervös mit seinen Händen. Sein Blick wirkte sorgenvoll. Tatsächlich hatte Charly ihn noch nie in diesem Zustand gesehen. 
»Er war im September schon ein wenig weiter, dann muss er sich bei der Physiotherapie übernommen haben, auf jeden Fall trat erneut eine Verschlechterung ein. Und seither geht es rückwärts. Vor Kurzem erkannte er endgültig, dass er nie mehr Rennen fahren wird.«
Charly schluckte. Das musste ein schwerer Schlag für Marc Leander gewesen sein. Überall hatte man gelesen, mit welcher Vehemenz er trainiert hatte und seinen legendären Ehrgeiz gepriesen.
»Normal Sport betreiben, das wäre durchaus möglich.« Der Oberarzt stand erneut auf und trat ans Fenster. »Aber das reicht ihm nicht und er glaubt nicht daran. In den letzten Wochen kam er keinen Millimeter weiter. Daher auch der jetzige Frust.«
Charly überlegte kurz. »Ich weiß nicht, auf welche Art Sie sich meine Hilfe vorstellen? Wie Sie seinen Zustand beschreiben, kann ich auf keinen Fall in einer Berghütte mit ihm arbeiten.«
»Das ›Dream Alpin‹ verfügt laut Marcs Angaben über Schwimmbecken und Trainingsräume.«
»Gut, trotzdem kann ich schlecht an die Hüttentür klopfen und ihm eine Therapie aufdrängen.«
»Er wollte, dass ich ihm eine Therapeutin besorge, und war damit einverstanden. Ob er dann allerdings mit dem nötigen Enthusiasmus mitmachen wird, das kann ich nicht versprechen.«
»Herr Oberarzt, Sie wissen aber schon, dass eine Therapie nur dann erfolgreich ist, wenn der Patient aus tiefstem Herzen dabei ist?«
»Frau Wagner, Sie verstehen etwas von Ihrem Handwerk. Und Sie können Patienten motivieren, ihre Grenzen auszuloten. Ich habe das volle Vertrauen, dass Sie Zugang zu Marc finden werden und ihm wieder zu einem normalen Leben verhelfen können. Und sprechen Sie ihn nicht auf den Unfall an, das ist ein wunder Punkt.«
Der Unfallhergang war bekannt. Bei einem Trainingslauf war ein norwegischer Stalker in die Bahn gerannt. Marc Leander war ihm ausgewichen, von der Piste abgekommen und über den Grenzzaun geflogen. Aber nicht darüber zu sprechen? Das war bestimmt die falsche Methode. 
Vorschriften ließ sich Charly ohnehin keine machen, sie würde das tun, was der Situation angepasst war.
»Und, dass wir beide uns nicht schätzen, muss er auch nicht wissen.«
»Wenn ich bei Ihrem Bruder die geringste Chance haben möchte, dann will ich von Anfang an ehrlich sein.« Sie holte Luft. »Abgesehen davon, stimmt es nicht. Ich bewundere Ihre Arbeit als Arzt sehr und ich denke, Sie werden einen würdigen Klinikleiter abgeben.«
Er prallte zurück, offensichtlich hatte es ihm die Sprache verschlagen, er drehte sich zum Fenster.
Eins zu null, dachte sie hämisch bei sich. Ob er nun auch etwas Versöhnliches sagen wollte? Stattdessen verschanzte er sich hinter dem Schreibtisch, seine Stimme klang rau. 
»Er wird Sie vermutlich nicht mit Samthandschuhen anfassen.«
Aha, er ging also nicht darauf ein. Auch recht.
»Sie meinen, er wird nicht so nett zu mir sein, wie Sie es immer sind?«
Er blinzelte. War da Bewunderung und Anerkennung in seinem Blick? 
»Nun gut, dieser Job fordert von Ihnen weitaus mehr, als nur eine passable Therapeutin zu sein. Sie können nun beweisen, dass Sie besser sind als das Anhängsel eines wohlhabenden Arztes.«
»Sie halten mich für eine Goldgräberin?«
Er zuckte die Achseln. »Es tut mir leid. Aber Adrian ist aus reichem Haus, Sie haben auf seine Kosten bei ihm gewohnt.«
Das konnte er nur von Adrian selbst haben. Dieser Mistkerl! Ihr Geld hatte sie für das Pflegeheim gebraucht und es war nie die Rede gewesen, dass sie sich an der Kreditabzahlung beteiligte, dafür hatte sie einen Großteil der Lebensmittel besorgt. Und ständig gekocht, von der Hausarbeit ganz zu schweigen. Sie bezweifelte, dass Adrian eine Waschmaschine bedienen konnte oder wusste, wo der Staubsauger stand.

Ob das Frau Doktor nun für ihn erledigte? Eher eine Putzfrau.
Oberarzt Leander setzte sich hinter seinen Schreibtisch. »Sie müssten eventuell auch andere Aufgaben übernehmen, die nicht unbedingt in den Bereich einer Therapeutin fallen.«
Sie richtete sich auf. »Zum Beispiel?«
»Ihm vielleicht sonst behilflich sein, bei der Kleidung, aufräumen, Essen auf den Tisch stellen.«
»Das kriege ich hin.« Wenn das alles war? Charly hatte immer schon gerne gekocht. Blieb nur noch eine Frage.
»Über welchen Zeitraum sprechen wir?«
»Vom achtundzwanzigsten November bis zum sechsten Januar.«
»Das sind fast sechs Wochen.«
»Das ›Dream Alpin‹ wird Ihnen gefallen. Sie haben dort sämtliche Wintersport-Möglichkeiten sowie auch Wellnessanlagen, Sauna und Schwimmbad. Die Hütte ist eigentlich für sechs Personen gedacht, also ist genug Platz für Sie und meinen Bruder. Ich zahle Ihnen einfach Ihr jetziges Gehalt weiter.« 
»Und was ist danach? Kann ich hierher zurück?«
»Dann wird es sich zeigen, ob Marc Sie als Therapeutin behalten möchte.«
»Eher unwahrscheinlich.«
»Höre ich Zweifel? Es ist eine Herausforderung für Sie, Frau Wagner. Jetzt können Sie beweisen, dass Sie mehr können, als eine Kerbe am Bettpfosten eines reichen Arztes zu bleiben.«
Seine Abneigung war tief verwurzelt. Aber offenbar hatte er keine andere Dumme gefunden.
Charlys Magen tanzte auf und ab. War das die willkommene Wende in ihrem Leben? Sie entkam ihren schrecklichen Kolleginnen und, noch besser, Adrian und seiner neuen Tussi.
Daher schlug sie ein. Möglicherweise kam sie vom Regen in die Traufe.
Sie machte sich auf die schrecklichsten Wochen ihres Lebens gefasst, denn der jüngere Bruder des Oberarztes Leander, noch dazu eine Berühmtheit, war bestimmt wesentlich unausstehlicher als er.


 

Winterromantik pur


Für Charly, eine ausgebildete Physiotherapeutin, läuft es zurzeit gar nicht rund. Ihre geliebte Oma ist verstorben, ihr Freund verlässt sie und am Arbeitsplatz wird sie gemobbt. Da kommt das Angebot ihres Chefs genau zur rechten Zeit. Sie soll für ein paar Wochen seinen Bruder betreuen. Das ist niemand Geringerer als der bekannte Skirennläufer Marc Leander, der nach einem schweren Unfall noch immer auf Krücken angewiesen ist.
Doch Marc möchte keine Physiotherapeutin! Was soll sie schon ausrichten? Er wird nie mehr Skifahren können. So beabsichtigt er, diese Frau rasch wieder hinauszuekeln. In der abgeschiedenen Hütte, in die er sich zurückgezogen hat, bevorzugt er die Einsamkeit. Allerdings weckt Charly durch ihre Hartnäckigkeit seine Aufmerksamkeit. Und dann steht auf einmal seine Exfreundin vor der Tür und ein Schneesturm macht die Abreise unmöglich …

 

 

Ein bezaubernd verträumter Roman für entspannte Stunden - 196 Seiten.

  • Lotte R. Wöss
  • Lotte R Wöss

© 2020 Lotte R. Wöss

Lotte R. Wöss

Autorin