Die Frau auf Sylt

Romantik-Thriller

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Nach einem dreiwöchigen Aufenthalt auf Sylt war für mich klar: Hier spielt mein nächster Roman. An allen Schauplätzen war ich persönlich und der "Schneehase" wurde eines meiner liebsten Getränke. Was das ist? Da müsst ihr ins Buch schauen.

Hanna verschwand vor zehn Monaten spurlos, nachdem sie ein gewaltiges Vermögen geerbt hatte. Während ihre Freunde und Ex-Freund Thorben noch heute der Meinung sind, sie genieße ein Leben in Saus und Braus und sie wolle nicht gefunden werden, ist ihre beste Freundin Marie sich sicher: Hanna ist ermordet worden. Doch nicht einmal die Polizei schenkt ihr Glauben.

Gerade als Marie hofft, endlich mit der Sache abschließen zu können, traut sie ihren Augen kaum. In einer Zeitung entdeckt sie ein Bild von Hanna in Gesellschaft eines fremden Mannes in einem Café auf Sylt. Der Dekoration nach muss es um die Weihnachtszeit entstanden sein – zwei Monate nach Hannas Verschwinden.

Sofort bricht Marie auf, um dem Geheimnis auf die Spur zu gehen. Schnell findet sie Freunde, die sie bei ihrer Suche unterstützen. Dabei lernt sie auch David kennen, einen Wissenschaftler, in den sie sich sogleich verliebt. Während zunächst alles den Anschein hat, als könnte Marie trotz der Sorge um Hanna glücklich werden, ahnt sie noch nicht, in welcher Gefahr sie tatsächlich schwebt und was für ein Netz aus Lügen und Intrigen Hannas Verschwinden umgibt.

Leseprobe:

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Kapitel 2 (Marie)
Auf ihrem Handy sah sie fünf verpasste Anrufe von Hendrik. Er war bestimmt sauer. Sie setzte sich ins Auto und rief zurück.
Wie erwartet, war er ungehalten. »Wo steckst du denn, verdammt noch mal? Bei der Arbeit warst du nicht mehr, dort habe ich angerufen.« 
»Hast du meine Nachricht nicht gelesen?«
»Ich dachte, du kämst zehn Minuten später oder so. Du kannst es doch nicht vergessen haben.«
Er klang wirklich total wütend, und in derselben Sekunde schoss ihr in den Kopf, warum. Ihr wurde siedend heiß, als Hendrik weiter schimpfte.
»Meine Eltern waren nicht begeistert, dass du nicht zum Essen erschienen bist. Das war extrem unhöflich.«
Die Einladung von seinen Eltern! Wie hatte sie die vergessen können? Sie schloss die Augen. Das würde Ärger geben.
Im Kopf formulierte sie Entschuldigungen. Aber sie wusste bereits jetzt, dass Hendrik nichts gelten lassen würde. Er hatte ihre Obsession, Hanna zu finden, ohnehin nie verstanden. Marie konnte das verstehen, denn die Indizien, dass Hanna sich freiwillig abgesetzt hatte, waren für alle ausreichend gewesen.
Aber sie hatte Hanna besser gekannt.
Oder hatte sie sich doch geirrt?
»Soll ich noch ins Restaurant fahren?« Sie sah an sich herab, die leichte Sommerhose und das Top eigneten sich so gar nicht für einen Besuch in Innsbrucks feinstem Lokal.
»Lebst du auf dem Mond? Es ist bald elf Uhr. Ich bin längst zu Hause.«

* * *

Die Rückfahrt ging schneller, dennoch war es fast Mitternacht, als sie das Wohnhaus erreichte, in dem sie seit zwei Monaten mit Hendrik die Dachwohnung bewohnte. Während sie mit dem verspiegelten Aufzug hochfuhr, wurde ihr wieder einmal bewusst, wie unwohl sie sich in diesem hypermodernen Ambiente fühlte.
Die Spiegel zeigten ihr, was sie ohnehin geahnt hatte: ihre zerzauste Frisur und das zerdrückte Oberteil.
Die Türen öffneten sich direkt im Apartment. Sie atmete kurz durch und betrat die Wohnung.
Hendrik saß auf der Ledercouch im Wohnzimmer über seinen Laptop gebeugt. Er trug immer noch seine Anzughose, lediglich seine Jacke hing fein säuberlich aufgehängt in der Garderobe. Er musste sie kommen hören, sah jedoch nicht auf.
»Hendrik, es tut mir leid.«
Er hob die Hand. »Einen Moment, ich muss noch diese E-Mail beantworten.«
Behände schlüpfte sie aus ihren Sandalen und stand dann barfuß hinter ihm. Sie hasste diese Situationen, in denen er sie warten ließ und sie sich vorkam wie eine reuige Sünderin.
Nach einer Minute wurde es ihr zu dumm, sie bewegte sich an ihm vorbei. »Ich geh duschen.«
»Na toll! Erst lässt du mich hängen und jetzt bist du sauer, weil ich dich kurz warten lasse? Das, was ich mache, ist wichtig, verstehst du?« Er hob den Kopf. »Meine Eltern hatten ihre Freunde, den Stadtrat Lachermayr und seine Frau, eingeladen. Sie wollten dich als meine Verlobte vorstellen. Ich dachte, es würde dir etwas bedeuten, dass meine Eltern dich anerkennen. Sie sind dir entgegengekommen, und du glänzt durch Abwesenheit? Nicht mal entschuldigt hast du dich. Ich hatte keine Ahnung, wo du steckst?«
»Ich habe dir eine Nachricht geschickt.«
»Toll! ›Komme heute später.‹ Das war enorm aussagekräftig. Für meine Eltern muss das so aussehen, als wäre dir eine Einladung von ihnen total unwichtig.« Er klappte den Laptop zu und verschränkte die Arme. »Ich warte immer noch auf eine plausible Erklärung.«
Marie ließ sich ihm gegenüber auf einen Lederstuhl fallen. »Es tut mir ehrlich leid, Hendrik. Aber heute ist etwas Wichtiges passiert.« Sie entrollte die Zeitung und deutete mit dem Finger auf das Foto. »Erkennst du Hanna? Sie ist auf Sylt, wo genau, weiß ich nicht, und …«
»Das ist nicht dein Ernst, oder?«, unterbrach er sie, ohne auch nur einen Blick auf das Bild zu werfen. »Du versäumst ein wichtiges Essen und bringst als Entschuldigung ein altes Zeitungsbild von deiner Freundin, die es nicht der Rede wert gefunden hat, sich zu verabschieden? Die sich monatelang nicht bei dir gemeldet hat? Und da freust du dich über ein Bild?«
»Sie lebt, das ist das Wichtigste, verstehst du? Es muss ihr irgendwas zugestoßen sein, Gedächtnisschwund oder so. Ich kann nicht glauben, dass sie einfach so untergetaucht wäre und …«
»Ist sie aber.« Er nahm ihr die Zeitung aus der Hand, betrachtete das Bild und schüttelte den Kopf. »Das hier beweist es nur zu deutlich. Du wolltest es nicht wahrhaben, obwohl die Polizei herausgefunden hat, dass sie die Fähre nach Römö genommen hat. Mit ihrem Geld im Gepäck.«
»Ich habe das nie geglaubt. Was sollte Hanna in Dänemark? Wenn sie von einem Land geträumt hat, dann war es Irland.«
»Wir haben das schon zigmal durchgekaut. Sie ist halt von Dänemark weitergereist, wohin auch immer.«
»Nein.« Marie schüttelte heftig den Kopf. »Und jetzt beweist das Bild, dass sie auf Sylt ist, und ich werde herausbekommen, was es damit auf sich hat.«
Es war heraus, noch ehe sie hatte darüber nachdenken können.
Sekundenlang war einzig Hendriks Atem zu hören. Schließlich räusperte er sich. »Habe ich richtig gehört? Wie willst du das denn anstellen?«
»Ich werde hinfahren.« Sie beugte sich vor. »Das muss ich tun, verstehst du? Thorben meinte auch, dass …«
»Thorben? Was hat der damit zu tun?« Hendrik stand auf und baute sich vor ihr auf. »Ah, daher weht der Wind. Jetzt kommen wir der Sache näher! Du warst vorhin bei ihm, nicht wahr? Hat er dir den Floh ins Ohr gesetzt, dass du Privatdetektivin spielen sollst?«
Sie holte tief Luft. »Ich war bei ihm, das stimmt. Deswegen habe ich auch das Essen vergessen. Es tut mir wirklich wahnsinnig leid, aber ich musste noch mal mit ihm reden. Er war der Letzte, der Hanna gesehen hat.«
Hendrik verengte die Augen zu Schlitzen. »Er hat doch damals bereits alles erzählt, nicht wahr? Was läuft da zwischen euch?« Mit zwei langen Schritten ging er zum Barschrank und holte eine Flasche Weinbrand heraus.
»Mit dem Foto hat sich ein neuer Blickwinkel ergeben, verstehst du das nicht?«
Es klirrte, als er ein Glas aus dem Schrank nahm und es auf dem kleinen Tischchen platzierte. »Nein, das begreife ich nicht. Thorben hat dir damals schon alles erzählt, was hat sich groß geändert?« Hendrik schraubte die Flasche auf und schenkte sich ein Glas ein. Mit dem Flaschenhals zeigte er auf Marie. »Willst du auch einen? Würde dir guttun.«
Sie schüttelte den Kopf. »Hendrik, ich habe das Gefühl, dass ich Hanna im Stich gelassen habe. Alle haben geglaubt, sie wäre untergetaucht. Nur ich nicht. Dennoch habe ich aufgegeben, nach ihr zu suchen.« Ein Kloß saß ihr im Hals. »Ich bin eine verdammt schlechte Freundin.«
»Marie, jetzt komm wieder runter. Ich weiß, dass die Geschichte rund um deine Freundin ein rotes Tuch für dich ist, aber du musst mal abschließen können. Hanna hat ein neues Leben begonnen und will dich nicht länger als Teil davon.«
»Schwachsinn!«
Hanna und sie, das war mehr als Freundschaft gewesen, sie waren durch dick und dünn gegangen. So eine tiefe Beziehung warf man nicht einfach aus einer Laune heraus fort.
Bis vor Kurzem hatte sich Marie damit abgefunden, dass Hanna tot sein musste. Doch dieses Bild veränderte alles.
Hendrik nahm einen großen Schluck, dann klang seine Stimme ruhig. »Marie, du ahnst wohl nicht, was für ein schlechtes Licht deine heutige Abwesenheit auf deinen Charakter wirft. Ich stehe kurz vor der Eröffnung meiner eigenen Kanzlei, und die Protektion von Stadtrat Lachermayr ist total wichtig für mich. Er ist in der Lage, mir lukrative Klienten zu vermitteln und dafür zu sorgen, dass meine Kanzlei erfolgreich wird. Du hättest nur dazusitzen brauchen und ihn mit deinem Charme bezirzen, das wäre doch nicht zu viel verlangt gewesen. Schließlich kommt meine Karriere auch dir zugute.« Mit einer Handbewegung deutete er auf die Wohnung. »Den Luxus hier genießt du, das kannst du nicht bestreiten. Da du finanziell nichts dazu beitragen kannst und wirst, wäre das eine Möglichkeit, dich einzubringen.«
Wie bitte? »Was soll das heißen?«
»Marie, ich bitte dich.« Hendrik trank den Rest und schenkte sich gleich nach. »Du weißt, dass dein Aussehen dein größtes Kapital ist. Das ist gut fürs Geschäft, du wirst mich bei sämtlichen Geschäftsessen mit Klienten begleiten und eine positive Wirkung ausüben.«
Marie fühlte sich wie im falschen Film. Dass ihr Verlobter sie so direkt auf ihr Äußeres degradierte, hätte sie sich nie gedacht. »Ich habe einen Beruf.«
»Ich bitte dich.« Seine Mundwinkel verzogen sich spöttisch. »Natürlich, jetzt im ›Alpenglück‹ hast du eine gehobenere Stellung inne, doch im Grunde genommen wirst du künftig nicht mehr arbeiten müssen. Wir wollen schließlich bald Kinder. So ein Fauxpas darf allerdings nicht noch mal passieren, das musst du mir versprechen.«
Marie schloss kurz die Augen, dann zwang sie sich zu einem ruhigen Tonfall. »Ich verstehe dich ja, und es tut mir leid, dass ich wegen dieses Fotos heute ein wenig durch den Wind bin. Ehrlich.« Das war noch untertrieben, in Wirklichkeit fühlte es sich so an, als wäre sie mitten in einem Wirbelsturm. »Ich werde mich bei allen entschuldigen, wenn dir das hilft. Aber Hanna, das ist mir wichtig. Sie bedeutet mir viel, deswegen …«
»Du bist ihr nicht einmal den Dreck unter ihrem Fingernagel wert, wie man hier sieht.« Er überbrückte die Schritte zum Sofa, griff nach der Zeitung und warf sie auf den Boden. Seine Stimme klang plötzlich rasiermesserscharf. »Wann kapierst du das endlich? Hanna ist weg, und sie lebt jetzt ihr eigenes Leben im Luxus. Wer kann es ihr verdenken, so wie sie aufgewachsen ist?«
Marie sprang auf. »Ja, aber wir haben immer zusammengehalten, immer. Du hast keine, absolut keine Ahnung von unserer Verbindung. Sie würde nicht einfach untertauchen und mich im Stich lassen.«
»Tu nicht so theatralisch! Das klingt, als hätte sie dich in die Gosse gestoßen. Du lebst doch gut bei mir und brauchst ihr Geld nicht.«
Vor Wut hätte Marie ihm am liebsten die Faust ins Gesicht geschlagen, und das, obwohl sie alles andere als aggressiv veranlagt war. »Das Geld ist mir so was von egal. Ich will meine Freundin zurück!« Marie drehte sich um und konnte nicht verhindern, dass ihr das Wasser in die Augen schoss.
»Du hörst dich an wie ein trotziges Kleinkind.«
Sie höre, wie Hendrik das Glas abstellte, und spürte kurz darauf seine Hände auf ihren Schultern.
»Marie«, sein Tonfall war nun zärtlich, »ich weiß, dass dich das berührt, ich bin ja nicht komplett unsensibel.« Sanft drehte er sie herum, er lächelte sogar. »Aber es tut dir nicht gut, wie du an ihr festklebst und nicht akzeptieren kannst, dass sie es war, die sich von dir gelöst hat.« Mit einer fürsorglichen Geste strich er ihr eine Haarsträhne aus der Stirn. »Liebling, wir sollten endlich ein Hochzeitsdatum festlegen. Die Vorbereitungen werden dich ablenken. Wir könnten gleich im August standesamtlich heiraten, dann für Oktober die kirchliche Trauung festsetzen und ein großes Fest bei deinen Eltern in Jenbach nachholen.«
In Maries Kopf wirbelte es. Heiraten? Sie wohnten seit zwei Monaten zusammen, und sie hatte immer noch das Gefühl, nur Gast in Hendriks Wohnung zu sein. Jede Änderung, die sie vorgeschlagen hatte, war durch seine Gegenargumente zurückgeschmettert worden.
»Du sagst nichts? Bist wohl sprachlos?« Sein Gesicht vergrub sich in ihren langen Haaren, der heiße Atem blies unangenehm in ihr Ohr.
Langsam, aber bestimmt löste sie sich aus seiner Umarmung.
»Du siehst richtig schockiert aus.« Er legte seine Handfläche an ihre Wange, eine Geste, die sie noch nie gemocht hatte. »Keine Bange, meine Mutter organisiert unsere Hochzeit, du musst nur …«
»… hübsch aussehen«, ergänzte sie bissig und entfernte seine Hand von ihrem Gesicht. 
Hendrik bemerkte ihren ironischen Tonfall offenbar nicht. »Richtig.« Mit langen Schritten ging er zur Bar zurück und nahm sich sein Glas. »Mach dir also keine Sorgen, Mutter weiß ohnehin besser, was von unserer Hochzeit erwartet wird.«
Sie sah es deutlich vor sich, eine Schickimicki-Hochzeit, bei der sie nichts zu sagen haben würde.
Auf einmal wusste sie, was sie zu tun hatte: »Ich werde nach Sylt fahren.«
Hendrik hätte fast das Glas fallen gelassen. »Das ist nicht dein Ernst.«
»Doch. Ich muss wissen, was mit Hanna passiert ist.«
»Ist das nicht offensichtlich?« Er deutete zur Zeitung hin. »Sie feiert und genießt ihr Leben.«
»Nein. Da ist irgendwas faul an der Sache, deswegen muss ich hinfahren.«
»Das ist doch Unsinn! Wir können jetzt nicht Urlaub nehmen, ich eröffne in ein paar Wochen meine Kanzlei.«
»Hendrik, ich weiß, dass der Zeitpunkt ungünstig ist.«
»Ungünstig?« Hohn lag in seiner Stimme. »Das ist die Untertreibung des Jahres. Es ist unmöglich.«
»Nichts ist unmöglich.« Es war nur ein Flüstern, Hendrik hatte es nicht gehört, denn er sprach bereits weiter.
»Überhaupt, was tust du auf Sylt? Willst du mit der Zeitung auf der Insel herumlaufen und alle befragen? Marie, das ist wie die berühmte Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Wenn Hanna da gewesen sein sollte, ist sie es vermutlich nicht mehr. Sie kann mit ihrem Geld um die ganz Welt reisen.«
Marie umschlang sich selbst, weil sie spürte, dass sie zu zittern anfing. »Thorben hat mir sämtliche Unterlagen von ihrem Syltaufenthalt gegeben. Wo sie gewohnt haben, was sie unternommen haben, da werde ich anfangen.« 
»Wofür hältst du dich? Für Miss Marple? Das ist eine hirnverbrannte Idee.«
Marie schwieg. Was sollte sie darauf antworten? Im Grunde hatte er recht, sie war keine Detektivin, sie war nicht einmal besonders mutig. Der Gedanke daran, auf eigene Faust Ermittlungen anzustellen, Leute zu befragen und womöglich bei ihrer Suche auf verlassene Orte zu stoßen, verursachte Magengrummeln bei ihr.
Aber dann sah sie wieder Hanna vor sich, ihre Freundin seit Kindertagen.
Sie hatte keine Wahl.
»Na also«, sagte Hendrik, der ihr Schweigen wohl als Zustimmung gedeutet hatte. »Vergessen wir das Ganze. Was hältst du von meiner Idee mit der Hochzeit?«
»Nichts«, fuhr sie ihn an. »Ich werde meinen Plan nicht aufgeben.«
»Du bist heute nicht du selbst, Marie. Morgen siehst du wieder klarer …«
»Ich sehe sonnenklar. Und ich werde nach Sylt fahren.«
»Das kommt nicht infrage.«
»Was soll das heißen?« Sie starrte ihn an.
»Eben das. Ich untersage es dir.«
Sekundenlang war es totenstill. Dann griff Marie zu ihrer Zeitung und ging ins Schlafzimmer. Mit einem Ruck zog sie ihren Koffer hervor, mit dem sie vor wenigen Wochen erst eingezogen war, und begann hektisch ihre Sachen zu packen.
Hendrik war plötzlich neben ihr. »Komm wieder zu dir, Marie.«
»Nein! Ich lasse mir von dir nichts verbieten.«
»Gut.« Er verschränkte die Arme. »Dann muss ich dich zu deinem Glück zwingen. Wenn du jetzt gehst, betrachte ich unsere Verlobung als beendet.«
»Morgen früh bin ich hier raus.« Ma
rie sah auf ihre Uhr. »Pardon, heute.«