Einfach Liebe 2

Liebe mich so wie ich bin

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Er ist weder behindert, noch abnormal. Er ist einzigartig.
Noah ist einfach Noah.

Ein Jahr ist vergangen, seit seine Freundin Dani Jos mit einer anderen im Bett erwischt hat. Sie trennte sich noch in derselben Nacht von ihm. Was niemand weiß: Jos hat sie absichtlich vergrault.

Jos ist komplett überrascht, als Danis Mutter in sein Büro stürmt. Wütend zeigt sie ihm ein Foto, auf dem Dani mit ihrem Sohn auf dem Arm zu sehen ist. Jos ist schockiert. Ist das etwa sein Kind?

Von Frau Kaiser erfährt er, dass der Junge krank ist. Sie verlangt von ihm, Dani und dem Baby zur Seite zu stehen, ob er nun will oder nicht. Jos ist bereit, sich Urlaub zu nehmen und sofort zu Dani nach Miami zu fliegen. Doch Jos hat zwiespältige Gefühle. Er wollte niemals Kinder und das aus gutem Grund. Denn Jos hütet ein schreckliches Geheimnis.

"Diese Kinder sind etwas Besonderes. Sie nehmen ihre Umwelt in einer Weise wahr, die uns verschlossen bleibt. Lassen Sie sich von niemandem einreden, Ihr Kind wäre einfach nur behindert. Manchmal sind wir die Behinderten, weil unsere Auffassungsgabe nicht ausreicht, um die Welt der Autisten zu begreifen."

Der Trailer wurde von Claudia Stadler für die Erstausgabe des Romans gemacht.

Ersttitel:

Mit Fingerspitzen für immer

Leseprobe

Kapitel 2

Der Jahrestag. Dreizehn Monate zuvor

Schon an der Wohnungstüre spürte er, dass etwas anders war. Musik klang aus dem Wohnzimmer und er hörte Dani in der Küche rumoren und mitsingen.

Jos teilte ihre Stimmung nicht. Seine langjährige Sekretärin hatte gekündigt und er musste eine Dienstreise verschieben. Außerdem war es endgültig so weit: Sein Cousin Klaus hatte diesem kaltherzigen Miststück Giulia Caspari, die es nur auf seinen Titel und Reichtum der Familie abgesehen hatte, einen Heiratsantrag gemacht. Bereits jetzt hatte die italienische Schönheit begonnen, ein Hochzeitsfest gigantischen Ausmaßes zu organisieren, obwohl das Horror-Event erst im Juni stattfinden würde.

Er zog seine Schuhe aus und betrat die Küche. Dani schüttelte Salatdressing im Becher.

  »Fein, du bist schon da!« Sie flog auf ihn zu und umarmte ihn. Er küsste sie, denn er konnte nicht anders. Seit dieser Wirbelwind in sein Leben getreten war, lief vieles vergnüglicher. Die Alltagssorgen fielen von ihm ab wie ein schwerer Mantel, und er atmete frei.

Durch die offene Türe blickte er ins Wohnzimmer auf einen festlich gedeckten Tisch. Was hatte er vergessen? Danis Geburtstag war doch erst im Sommer.

Er löste sich von ihr. »Gibt es etwas zu feiern? Bist du befördert worden?«

Sie lachte. Im letzten Jahr hatte sie ihre Ausbildung als Grundschullehrerin abgeschlossen; sie liebte die Arbeit mit den Kindern.

  »Wir haben Jahrestag, Jos! Genau vor einem Jahr haben wir uns kennengelernt.« Sie strahlte. Er fühlte, wie sich in seinem Magen ein Knoten formte.

Das konnte nicht sein. Seine Affären dauerten höchstens ein paar Monate. Nie ein ganzes Jahr. Wie hatte das passieren können?

  »Ich habe uns den 2012er Sancerre gekühlt, für besondere Anlässe.« Dani griff in den Kühlschrank. »Mach ihn schon mal auf. Rate, was ich gekocht habe!«

Er fühlte sich wie ein Automat. Dani feierte den Jahrestag. Als nächsten Schritt würde sie vermutlich einen Heiratsantrag erwarten. Dem musste er den Riegel vorschieben. Sofort. Er würde nicht heiraten, nie und niemanden.

Dani sah ihn an und bemerkte seine Missstimmung. Allerdings deutete sie die Ursache falsch.

  »Du hattest wohl einen schlimmen Tag?«

  »Linda hat gekündigt. Sie zieht mit ihrem Verlobten nach Berlin.«

  »Das ist schade. Aber du findest eine neue! Ein wenig Geduld beim Einarbeiten, das wird schon.«

  »Wenn du das sagst! Du hast enorm viel Erfahrung mit der Schulung von Sekretärinnen.«

Zum Glück reagierte Dani nicht auf seine Ironie.

Sie griff nach den Topflappen. »Setz dich, ich bringe das Essen gleich!«

Jos trat ins Wohnzimmer, öffnete den gekühlten Wein und goss ihn ein. Kerzen brannten, frische Blumen schmückten den Tisch. Sein Appetit war schlagartig vergangen.

Wie hatte er es so weit kommen lassen?

  »Ich muss vorher duschen!« Zeit schinden und die Fassung wiedergewinnen. Heute wollte er noch gute Miene zum bösen Spiel machen. Es wäre zu grausam gewesen, nach diesem Empfang den Schlussstrich zu ziehen.

Herr im Himmel, er brauchte schleunigst einen wirksamen Einfall!

  »In Ordnung«, tönte es aus der Küche. »Dann schiebe ich die Lasagne nochmals in den Ofen zurück.«

Lasagne! Eine seiner Lieblingsspeisen. Er wusste, dass Dani selbst nicht so eine Freundin von Nudelgerichten war, aber ihm zuliebe kochte sie häufig Pasta.

Das Jahr mit Dani war toll gewesen. Nein, das traf es nicht.

Fantastisch!

Sie war unkompliziert, fröhlich und verlangte nie etwas für sich. In keiner Weise führte sie sich so kapriziös auf wie Giulia, die Verlobte seines Cousins.

Das vergangene Jahr war das glücklichste seines Lebens gewesen. Dani hatte sich in ihn verliebt.

Und er? Diese Frage war nicht erlaubt. Er durfte sich an keine Frau binden. Seine emotionale Unabhängigkeit musste gewahrt werden. Schon einmal war seine Welt aus den Fugen geraten. Das würde er nicht nochmals riskieren. Familie und Kinder – das wäre niemals etwas für ihn.

Dennoch überfiel ihn bittere Wehmut, während das heiße Wasser auf ihn niederprasselte. Dani hatte Sonne in sein Leben gebracht, und jetzt sah er sich gezwungen, sich zu trennen. Für ihn würde nur kalte Dunkelheit bleiben. Doch es musste sein. Aber nicht heute! Diesen Tag wollte er sich noch gönnen.

Erleichtert setzte er sich an den Tisch. In der Auflaufform dampfte der italienische Nudelauflauf.

Dani hob ihr Glas. »Ich möchte dir etwas sagen, Jos«, begann sie.

Die Freude war ihr anzusehen. Er wäre gerne aufgesprungen, denn er wollte ihre Liebeserklärung nicht hören. Und nichts anderes würde kommen.

  »Das vergangene Jahr mit dir war das schönste in meinem Leben!« Ihre Stimme war leise, doch ihre Augen strahlten im Kerzenschein. »Ich hoffe von Herzen, dass noch viele folgen werden. Am liebsten alle!«

Jos schluckte und drehte das Glas in seinen Händen. Was sollte er darauf antworten?

Es drängte ihn, mit dieser Frau ein Happy End zu feiern. Aber so etwas gab es nur in Romanen. Niemals im richtigen Leben. Zumindest nicht für ihn.

So hob er nur sein Glas, stieß mit ihr an und sie tranken. Wenn Dani enttäuscht war, ließ sie sich nichts anmerken. Er lobte die Lasagne mit vorgespielter Begeisterung und fragte nach ihrem Tag.

Dani ging sofort auf das Thema ein und sprach voll Enthusiasmus von ihrer neuen Nachhilfeschülerin, die nach einem Unfall monatelang den Unterricht versäumt hatte.

  »Sie ist dermaßen fleißig und konzentriert, weit hinaus für ihr Alter. Ich denke, dass sie spätestens zu Weihnachten den Stoff aufgeholt haben wird.«

  »Schön für sie!«

Dani runzelte die Stirne. »Was ist los, Jos? Hast du noch mehr Probleme außer der Kündigung?«

  »Tut mir leid, ich habe bereits den ganzen Tag Kopfschmerzen.« Gelogen!

Sofort verzog sich Danis Miene vor Mitgefühl. Sie stand auf.

  »Ich hole dir eine Tablette.«

  »Ich habe vor dem Essen eine geschluckt!« Zum zweiten Mal eine Lüge. »Die Hochzeit von Klaus liegt mir auch im Magen. Er macht einen Fehler, wenn er diese Ziege heiratet.«

  »Wirst du mich mitnehmen?« Die Frage überraschte Jos dermaßen, dass er zu seinem Glas griff und einen tiefen Schluck nahm.

Er hatte Dani absichtlich von seiner Familie ferngehalten. Es gab ein ungeschriebenes Gesetz, seine Freundin erst dann vorzustellen, wenn es etwas Ernstes war. Und das hieß Hochzeit. Jos hatte jedoch keine Ambitionen zu heiraten. Er würde Dani niemals in seine Familie einführen.

  »Das Spektakel ist erst im Juni!« Hinhaltetaktik. Das durchschaute sie sofort.

  »Das heißt also nein!« Klang ihre Stimme traurig?

  »Jos, du kennst meine Mutter und meinen Bruder. Ich hingegen habe nur einen deiner Brüder kurz gesehen und da haben wir kein Wort gewechselt.«

  »Meine Familie ist nicht so spannend.« Lahme Ausrede.

  »Selbst die Dümmste muss merken, dass du mich nicht wirklich als Freundin akzeptierst. Was bin ich für dich? Eine Affäre, die dummerweise nun schon zu lange dauert?«

Sie hatte den Nagel auf den Kopf getroffen.

  »Dani, mach kein Drama draus. Ich werde dich beizeiten mal mitnehmen, aber ...«

  »Die Hochzeit wäre ein guter Zeitpunkt! Es sind noch ein paar Monate bis dahin.«

  »Bestimmt nicht!« Wenn er sie als Begleitung für ein dermaßen offizielles Ereignis wählte, könnte er ihr gleich den Ehering an den Finger stecken. Sein ältester Bruder war ein Graf von Werlenbach. Seine Hochzeit würde ein Medienereignis werden. Zwangsweise würde auch er im Rampenlicht stehen.

Dann sah er die Enttäuschung auf Danis Gesicht.

  »Es wäre alles andere als Spaß für dich«, lenkte er ein. »Eine Adelshochzeit ist eine steife Angelegenheit.«

Sie spielte mit dem Dessertlöffel.

  »Ich bin nicht gut genug für deine Familie, nicht wahr? Wirst du mich überhaupt mal mitnehmen? Haben wir beide eine Zukunft? Eine Heirat - irgendwann?«

Da war sie, die Frage, die er gefürchtet hatte.

Bis zu diesem Abend, bei Pasta, Sancerre und Jahrestag, hatte Dani niemals Forderungen gestellt. Warum auf einmal jetzt?

Ein Jahr war zu lang. Jos hatte es trotzdem genossen. Und heute Abend war er definitiv nicht bereit, es zu beenden.

  »Wir sind erst ein Jahr zusammen. Es war ein wundervolles Jahr und es ist fantastisch, dass du daran gedacht hast, das Ganze zu feiern. Du bist mir wichtig geworden, dennoch ist es zu früh, an eine Ehe zu denken.«

Er stand auf, umrundete den Tisch und zog sie hoch.

  »Genießen wir das, was wir haben. Ich will dich spüren und den Tag vergessen. Den Abend mit dir natürlich nicht.«

Er küsste sie, und wie immer erwiderte Dani seinen Kuss mit einer Wärme und Leidenschaft, die sein Gehirn ausschaltete. Doch nach kurzer Zeit löste sie sich von ihm.

  »Möchtest du überhaupt einmal heiraten? Familie? Kinder?«

Auf keinen Fall Kinder!

Er umschloss sie fest. »Momentan nicht! Niemand weiß, was die Zukunft bringt. Ich will dich, Dani! Lass uns unseren Jahrestag genießen!« Er näherte sich wiederum ihren Lippen.

  »Es wartet noch Tiramisu!«

  »Später!«

Sie ließ sich von ihm mitziehen. Und in der leidenschaftlichen Umarmung rückte das unangenehme Gespräch in den Hintergrund. Dennoch wusste Jos, dass er diese Beziehung beenden musste, so schwer es ihm auch fallen mochte. In ihm nahm ein furchtbarer Plan Gestalt an.

 Sein Vorhaben würde